

Das geschieht dann genauso, wie die Menschen es früher gemacht haben: mit der Hand beim Seilmacher, dem Seiler oder Reepschläger. Die Seilerei wurde damals im Niederländischen auch “Lijnbaan” genannt, im Deutschen hieß es “Seilerbahn” oder “Reeperbahn”. Die Seile, die die Menschen damals herstellten, mussten sehr lang sein, weshalb eine “Lijnbahn” auf einem Grundstück schon mal die Länge von 110 bis 160 Metern einnahm. In einigen Orten kann man an den Straßennamen noch heute ablesen, wo es früher eine “Lijnbahn”gegeben hat, wie z.B. an der “Lijnbaansgracht” in Amsterdam.
Ein Seil wurde hergestellt, indem die Schnüre verdrillt wurden. Die einzelnen Schnüre bzw. Fadenstränge waren an einem Ende an einem Rad befestigt, an dem ein Arbeiter drehte. Am anderen Ende stand ein weiterer Arbeiter und hielt die Enden der Schnüre. Durch das Drehen am Rad wurden die Schnüre dann sauber zu einem Seil verdrillt.
Der eine Arbeiter drehte vorne an einem Rad…
…der Andere stand hinten mit den Strangenden
Meistens wurden die Seile aus Hanffasern hergestellt, so wie die Seile, die im Zuiderzeemuseum zu sehen sind. Aber Seiler stellten auch Manila-Seile her, aus Fasern der Blätter wilder Bananengewächse. Ein weiteres Material zur Seilherstellung war Sisal, aus Fasern der Blätter der Agave, eine Pflanze, der man vielfach in Mexiko begegnet.

Umgangsprachlich nannte man die Seiler auch “Geelbuiken”, was soviel wie “Gelb-Bäuche” bedeutet. Die Vielzahl der Hanfschnüre, die sie auf ihrem Bauch trugen gab ihnen diese gelbliche Farbe.
Früher war es völlig selbstverständlich, dass Kinder beim Seiler arbeiteten. Die Bevölkerung war arm und die Kinder mussten hart arbeiten, um mit dazu beizutragen, dass die Familie ein ausreichendes Einkommen hatte. Sie mussten das Geld, das sie verdienten auch an ihre Eltern abgeben.
Die Kinder drehten meistens das Rad, womit die Schnüre verdrillt wurden. Das war eine einfache Tätigkeit und ihr Lohn war viel niedriger als der eines Erwachsenen. Bis 1874 das Kinderschutzgesetz von Van Houten in Kraft trat, kam es vor, dass Kinder im Alter von gerade einmal 4 Jahren an so einem Rad arbeiteten!
Das Kinderschutzgesetz verbot Kinderarbeit unter 12 Jahren in Betrieben, aber andere Kinderarbeit war erlaubt, wie z.B. auf dem Land bei der Ernte… Kinder beim Ausgraben von Kartoffeln
Die Seiler stellten Taue und Seile für Segelschiffe, Fischer und Bauern her. Darüber hinaus fertigten sie auch Wäscheleinen. Der Seilmacher im Museum macht Springseile und Wäscheleinen.
Heutzutage bestehen Seile meist aus Kunststoff, wie z.B. Nylon und sie werden nicht mehr mit der Hand hergestellt, sondern mit Hilfe von Maschinen in Fabriken, die sicher hunderttausende Meter pro Tag produzieren!
Möchtest Du auch Dein eigenes Springseil herstellen? Komm dann ins Zuiderzeemuseum. Im April steht das Handwerk des Seilers im Museum im Mittelpunkt. An verschiedenen Stellen kannst du beobachten, wie früher Seile hergestellt wurden und dem Seiler beim Seilen helfen.